Carl-Alexander-Park Baesweiler

Der Aufstieg zur Plattform wird mit einer herrlichen Aussicht belohnt.

Onkels Anzug bleibt besser im Schrank

Beim Vorstellungsgespräch zählt der erste Eindruck. Die Sparkasse Aachen erwartet aber mehr von künftigen Auszubildenden.

AZ/AN Aachen, Eifel, Nordkreis, Stolberg. Eschweiler vom 02.11.2009

Aachen. Der erste Eindruck zählt. Markus Wolff weiß das. Er erlebt ihn ständig. Markus Wolff ist Abteilungsleiter Berufliche Bildung der Sparkasse Aachen. Hunderte Bewerbungsmappen landen jedes Jahr auf seinem Schreibtisch. "Das ist die erste Visitenkarte, die jemand bei uns abgeben kann", sagt er. Über die Wirkung des ersten Eindrucks und das Puzzle zum Ausbildungsplatz bei der Sparkasse sprach Wolff mit der "Zeitung + Schule"-Schülerredaktion.

Herr Wolff, was kann man tun, damit der erste Eindruck sitzt?

Markus Wolff: Der erste Eindruck ist wichtig, egal für welchen Beruf sich jemand bewirbt. Es gibt nie eine zweite Chance! Deshalb rate ich jedem, sich auf ein Bewerbungsgespräch besonders gut vorzubereiten. Mein Tipp: Schaut euch mal an, wie die Leute in dem Job, für den ihr euch bewerbt gekleidet sind. Bei der Sparkasse und generell im Bankenwesen ist das eher seriös und konservativ. Mit der Kleidung verbinden wir ja genau diese Erwartungshaltung an unsere Mitarbeiter.

Ist der erste Eindruck schon die halbe Miete?

Wolff: Das Bewerbungsverfahren bis hin zum Ausbildungsplatz ist eher wie ein Puzzle. Die Kleidung ist ein Teilchen davon, ebenso das Bewerbungsschreiben, das Gespräch... So ergibt sich ein Gesamtbild. Wir mustern niemanden aus, der keine Krawatte trägt, aber es ist ein Puzzleteilchen.

Und wenn jemand in Jeans kommt?

Wolff: Wir erwarten ja keine fertig ausgebildeten Banker. Auf Feinheiten zu achten, das lernt man bei uns im Laufe der Ausbildung, zu der zum Beispiel auch Seminare zu Umgangsformen und Kleidung gehören. Eine Jeans ist in Ordnung, es sollten eben nicht die ältesten Klamotten sein. Auch umgekehrt erleben wir Unpassendes: Bewerber, die im Anzug des Onkels, Größe 54, versinken oder die sich zum Gespräch bei uns noch mal in ihren Kommunionsanzug gequetscht haben. Da rate ich eher zur sauberen Tuchhose oder Jeans und einem sauberen Hemd. Damit macht man nichts falsch!

Hat man einen Ausbildungsplatz bei der Sparkasse schon halb in der Tasche, wenn man Ihre Internetseite aufmerksam liest?

Wolff: Die Tipps die wir zum Vorstellungsgespräch geben, sind ja keine top gehüteten Geheimnisse. Es gibt massenweise Literatur zum Thema Bewerbungsgespräch und eben Standardfragen, mit denen man rechnen muss. Das sind Leitfragen. Es ist ein absolutes Ausschlusskriterium, wenn jemand auf die Frage "Wie stellen Sie sich diesen Beruf vor?" nichts antworten kann. Wir hören daraus: Dann kann das Interesse ja nicht so groß sein!

Wann ist die beste Zeit, sich um einen Ausbildungsplatz bei der Sparkasse zu bewerben?

Wolff: Sobald man weiß, dass man diesen Job haben will! Es gibt bei uns keine Bewerbungsfristen mehr. Vielmehr werden laufend Plätze vergeben, bis der neue Ausbildungsjahrgang voll ist. Das kann schon zum Frühlingsende hin der Fall sein.

60 neue Auszubildende stellen Sie jedes Jahr ein.Wie viele Bewerbungen bekommen Sie denn auf diese Plätze?

Wolff: Für 2009 waren es 754 Bewerber. Etwa 180 schaffen es in das Auswahlverfahren.

Und das wäre...?

Wolff: Diese Bewerber laden wir zum Einstellungstest und zur Gruppendiskussion ein. Die letzte Runde ist dann das Vorstellungsgespräch.

Wer führt dieses Gespräch?

Wolff: Zu diesem Gremium gehören vier bis fünf Personen, darunter der Personalchef und der Personalrat.

Wie bereiten Sie sich auf diese Gespräche vor?

Wolff: Sehr akribisch. Aus den Bewerbungsunterlagen ergeben sich Fragen. Daher sichten wir Lebenslauf, Zeugnisse usw. sehr intensiv. Deswegen bin ich auch sehr enttäuscht, wenn ein Bewerber ohne Absage einfach nicht kommt. Es ist legitim, wenn jemand schon eine andere Stelle gefunden hat oder krank ist, aber dann sollte er anrufen.

Gibt es einen festen Gesprächsablauf?

Wolff: Ein klares Jein! Es steckt zwar viel Routine dahinter und zum Teil ähneln sich die Gespräche. Aber wir schauen immer, wohin die Reise geht. Unser Ziel ist es, die Bewerber besser kennenzulernen. Aus deren Sicht ist dieses Treffen eine Möglichkeit, "Sparkassen-Luft" zu schnuppern. Das ist in dieser einen Stunde sicher schon sehr aufschlussreich.

Haben Sie schon mal ein Vorstellungsgespräch abgebrochen?

Wolff: Es sind ja vier Bewerber pro Gespräch da. Selbst wenn einer dabei ist, von dem wir schnell merken, dass der nicht zu uns passt, dann schicken wir ihn nicht raus. Er soll zumindest die Chance haben, Erfahrung zu sammeln.

Warum eigentlich diese Vierer-Runde?

Wolff: Wir haben die Erfahrung gemacht, dass die jungen Leute dann schneller auftauen. Es ist eine Art Schulterschluss, das Gefühl "Ich habe noch drei Mitstreiter!". Es entsteht ein lockeres Klima. Und das hat mehr von einem natürlichen Gespräch, das unsere Mitarbeiter auch später mit den Kunden führen.

Gibt es denn trotzdem einen "Nervositätsbonus"?

Wolff: Wir wissen ja, dass die jungen Leute ein Stück weit aufgeregt sind. Wenn jemand den Faden verliert oder sich verhaspelt, dann stellen wir eine Frage eben zurück. Wir erwarten ja keine Rhetorik-Profis, sondern offene Menschen, die Freude am Umgang mit anderen Menschen haben. Locker und selbstbewusst auf Fremde zuzugehen, das lernen sie bei uns.

Dürfen die Bewerber auch Fragen stellen?

Wolff: Die Möglichkeit dazu geben wir zum Abschluss jedes Gesprächs. Allerdings wirkt es albern, wenn jemand eine Frage nur um der Frage willen stellt und wenn die Antwort auf unserer Internetseite nachlesbar ist.

Wäre die Frage nach dem Gehalt ein Einstellungshindernis?

Wolff: Auch das könnte man nachlesen! Es wäre aber auch nicht das Aus. Wenn jemand mit seinen Fragen aber nur auf den eigenen Vorteil abzielt, dann heißt das für uns, er hat keinen Spaß an dem Job!

Erinnern Sie sich an Ihr eigenes Bewerbungsgespräch? Hat sich seither viel verändert?

Wolff: So ein großer Unterschied ist das nicht. Die Qualität der Ausbildung, die Chancen auf Fortbildung waren wichtige Argumente. Und ich hatte das Gefühl, dass ich bei der Sparkasse als Mensch am besten aufgehoben bin. Dieses Klima versuchen wir auch heute im Vorstellungsgespräch zu vermitteln.

Ihre Ansprechpartner

Online-Bewerbung