Der Wachstumszug fährt wieder - aber nicht alle fahren mit

Der Konjunkturkommentar von Dr. Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank.

Konjunkturkommentar

Der globale Konjunkturzyklus hat in den vergangenen Quartalen immer stärker Fahrt aufgenommen.

Schrumpfte die Weltwirtschaft vor einem Jahr noch um sage und schreibe 6 %, so kann das vierte Quartal 2009 schon wieder mit einem Wachstum von 5½ % aufwarten. Die wichtigsten Wachstumstreiber auf globaler Ebene waren die verschiedenen nationalen Konjunkturprogramme. Hinzu kam, dass die Unternehmen während des Abschwungs ihre Lager massiv zurückgeführt haben und diese nun wieder aufstocken mussten. Es bestand also ein großer Nachholbedarf auf Seiten der Produktion, was häufig mit 'Lagerzyklus' bezeichnet wird. Beide Phänomene wirken global auch in den kommenden Monaten unterstützend, aber mit nachlassender Kraft.

Gemessen an den Erwartungen vom Frühjahr vergangenen Jahres hat sich der konjunkturelle Ausblick inzwischen deutlich aufgehellt. Noch im April vergangenen Jahres erwartete der Internationale Währungsfonds (IWF) ein BIP-Wachstum für 2010 von knapp 2 %. Inzwischen hat der IWF seine Prognose auf knapp 4 % verdoppelt.

Aufschwung ja - aber nicht gleichmäßig

Die globalen Wachstumsaussichten sind somit nicht euphorisch, aber vermutlich besser als ihr Ruf. Bereits das vergangene Jahr hat gezeigt, dass von der Erholung der Weltwirtschaft nicht alle Länder gleichermaßen profitieren werden. Dies liegt einerseits daran, dass zwar der Startpunkt des Abschwungs für alle Länder nahezu derselbe war. Allerdings unterscheiden sich die Reaktionen der einzelnen Volkswirtschaften stark, je nach dem Ausmaß der Fiskalstimuli, der Flexibilität am Arbeitsmarkt oder der Exportabhängigkeit. Dadurch wurden auch die nationalen Unterschiede im Ausmaß der Rezession erheblich. Beispielsweise sank die Industrieproduktion in Ländern wie Indonesien und Indien nur geringfügig. Die globalen Rezessions-Schlusslichter wie Taiwan, Japan und Philippinen kommen dagegen auf Produktionsrückgänge von über 30 %. Auffallend ist, dass die Länder, die zunächst am stärksten von der Rezession betroffen gewesen sind, anschließend mit den höchsten Wachstumsgeschwindigkeiten aus der Rezession herausgefunden haben. Wie eine Feder, die man unterschiedlich lang zog, schnellte diese Feder auch unterschiedlich stark zurück. Gemessen an den jeweiligen Produktionstiefständen weisen Länder wie Taiwan, Südkorea und die Philippinen die bislang höchsten Zuwächse auf. Geradezu ernüchternd sind die bisherigen Aufschwünge in Ländern wie Venezuela und Irland, da hier die Produktionsgewinne sehr schwach ausgefallen sind. Einen Produktionsanstieg lässt übrigens als einziges Land Griechenland vermissen. So gesehen steckt dieses zurzeit häufig wegen seiner Verschuldungssituation genannte Land noch in einer Rezession.

Krisengewinner und -verlierer

Für eine Gesamtbilanz ist aber entscheidend, wo die Produktionshöhe heute im Vergleich zum Vorkrisenniveau steht. Länder wie China, Indien und Taiwan haben schon seit mehreren Monaten höhere Produktionsstände als vor der Krise und können somit als Krisengewinner angesehen werden. Hier wurden die Federn also nicht so stark nach unten gezogen, schnellten aber dennoch stark zurück. Auf der globalen Verliererseite befinden sich nach derzeitigem Stand Länder wie Venezuela, Bulgarien und Dänemark. Diese Länder waren überdurchschnittlich von der Rezession betroffen und konnten bislang global nicht wieder aufschließen.

Und Deutschland? Mit seiner exportabhängigen Industrie wurde Deutschland von der Krise besonders hart getroffen. Der Weg nach oben gestaltet sich zudem langsamer als vielerorts, da die Krisebewältigung bei seinem Haupthandelspartner Europa Zeit braucht. Der globale Aufschwung ist aber noch in seiner Anfangsphase und es wäre verfrüht, schon heute ein endgültiges Fazit zu ziehen.

 

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