Es ist vollbracht - das Jahr mit dem heftigsten Konjunktureinbruch der Nachkriegsgeschichte liegt endlich hinter uns, es geht wieder aufwärts. Doch der Blick nach vorne offenbart, dass in den kommenden Monaten bei weitem nicht nur eitel Sonnenschein herrschen wird. Vielmehr gleicht der konjunkturelle Erholungspfad einer Buckelpiste.
Schon 2009 lief nicht alles so glatt, wie es ab etwa April des vergangenen Jahres aussah. Denn die deutsche Wirtschaft war nach vier zum Teil katastrophalen Quartalen im letzten Frühjahr und Sommer mit Wachstumsraten von 0,4 und 0,7 % (jeweils im Vergleich zum Vorquartal) wieder auf einen vermeintlich ruhigen Wachstumspfad eingeschwenkt. Doch der Blick auf die Zahlen der zweiten Reihe zeigt, dass ein ausgeprägter Lagerzyklus eine eigentlich stark schwankende Entwicklung verdeckt hat. Denn im zweiten Quartal bedienten die Unternehmen die durch zahlreiche Konjunkturpakete rund um den Globus geschürte Nachfrage zum Großteil noch aus ihren Lagern, was das Wachstum dämpfte. Im folgenden Vierteljahr mussten sie dann aber die leer gefegten Lager wieder auffüllen. Ohne diese Lagerbewegungen wäre das Bruttoinlandsprodukt im Frühjahr etwa sechs Mal stärker gestiegen, aber im Sommer bereits wieder geschrumpft. Mittlerweile sollte der Lagerzyklus jedoch weitgehend abgeschlossen sein, sodass die konjunkturellen Unebenheiten wieder stärker zu spüren sein werden.
Es fehlt an Kaufkraft
Für negative Impulse wird zum Beispiel in nächster Zukunft der private Konsum sorgen. Bereits in den letzten Monaten war zu erkennen, dass die Maßnahmen der Konjunkturpakete die privaten Haushalte nicht dauerhaft vor den Auswirkungen der globalen Krise bewahren können. Nachdem durch die Abwrackprämie viele Pkw-Käufe ins erste Halbjahr 2009 vorgezogen worden waren, muss seit dem Herbst - im wahrsten Sinne des Wortes - dafür gezahlt werden. Nicht nur, dass die vorgezogenen Käufe künftig fehlen, auch der Schuldendienst der Haushalte für die Autokredite entzieht Kaufkraft. Abzulesen war dies schon im dritten Quartal 2009 an einer gestiegenen Sparquote. Erste Indizien für eine Fortsetzung dieses Trends liefert das GfK-Konsumklima, das sich zuletzt drei Mal in Folge eintrübte. Und dabei stehen den privaten Haushalten einige negative Nachrichten erst noch bevor: Eine beständig hohe Anzahl an Unternehmensinsolvenzen, ein sich verschlechternder Arbeitsmarkt und wieder aufkeimende Preisniveausteigerungen werden die Stimmung auch weiterhin belasten.
Wachstum im Bausektor
Die Entwicklung der Investitionen ist ebenfalls ein Wackelkandidat, der allerdings wohl auch für positive Nachrichten sorgen wird. Angesichts der anhaltenden Unterauslastung der Produktionskapazitäten stehen Erweiterungsinvestitionen bei den meisten Unternehmen vorerst nicht auf der Tagesordnung. Wenn in Anlagen investiert wird, dann vorwiegend um alte Maschinen zu ersetzen oder aus Rationalisierungsmotiven. Dies dürfte vor allem in der zweiten Hälfte des neuen Jahres passieren - unmittelbar vor dem Auslaufen der Möglichkeit beschleunigter degressiver Abschreibungen. Auf die Bauinvestitionen wirkt das Konjunkturprogramm gleichmäßiger. Der öffentliche Nichtwohnungsbau sowie die geförderten energetischen Sanierungen von Wohnungen sollten auch 2010 für Wachstum sorgen, wenn auch mit abnehmender Dynamik.
In der Summe wird 2010 für die deutsche Konjunktur ein Jahr der Erholung. Mit rund 1,5 % Wachstum des realen Bruttoinlandsprodukts wird zumindest das Expansionstempo der Vorkrisenexpansion wieder erreicht, was nicht viele Volkswirtschaften für sich beanspruchen können. Allerdings sorgen insbesondere auslaufende Maßnahmen der zahlreichen Konjunkturpakete im In- und Ausland für einige Verzerrungen, sodass die Erholung zwar fortschreiten aber holprig verlaufen wird - eben ganz wie auf der Buckelpiste.
Haftungsausschluss:
Dieser Inhalt beruht auf Quellen, die als verlässlich angesehen werden können. Wir schließen jede Haftung, beispielsweise für die Richtigkeit, Aktualität und Vollständigkeit der Informationen aus.
Dieser Inhalt stellt keine Rechtsberatung dar. Die Informationen dienen ausschließlich einer ersten Orientierung. Insbesondere finanzielle Entscheidungen dürfen daher nicht aufgrund dieser Informationen getroffen werden. Es wird empfohlen, im Einzelfall den fachkundigen Rat eines Steuerberaters oder eines Rechtsanwalts einzuholen.